Kein Verkauf mehr über Amazon

Kein Verkauf mehr über Amazon

In einer Ära, in der die Buchbranche mit beispiellosen Herausforderungen konfrontiert ist, trifft der Martin Schülbe Verlag eine signifikante Entscheidung: Fortan wird das gesamte Verlagsprogramm nicht mehr über Amazon vertrieben.

Zum Zeitpunkt der Gründung des Verlags galt Amazon als essenzielle Verkaufsplattform. Allerdings haben jüngste Erfahrungen und Entwicklungen diese Ansicht nachhaltig verändert. Amazon hat sich insbesondere für kleinere Verlage als kostenintensive und komplexe Plattform erwiesen. Die Buchhaltungsanforderungen sind derart anspruchsvoll, dass spezialisierte Experten notwendig sind, deren Dienste erhebliche Kosten verursachen.

Die monatliche Grundgebühr für den Professional-Verkäufer-Tarif beläuft sich auf 39 Euro, zuzüglich zusätzlicher Gebühren pro verkauftem Artikel. Der Tarif für Einzelverkäufer verzichtet zwar auf eine Grundgebühr, jedoch ist ohne diesen Tarif die Präsenz in der essenziellen Buy Box nicht gegeben. Expertenanalysen von SISTRIX zeigen, dass beeindruckende 9 von 10 Verkäufen auf Amazon über diese Buy Box realisiert werden.

Für Verlage mit kleinerem Portfolio, wie den Martin Schülbe Verlag, kann die Abwesenheit in der Buy Box gravierende Konsequenzen haben. Bücher, die im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aufgeführt sind, werden automatisch auf Amazon gelistet. Der Kaufprozess ist jedoch irreführend: Amazon ordert nicht direkt bei kleineren Verlagen, sondern bei Barsortimentern. Diese Barsortimenter haben indes die Werke kleinerer Verlage aus ihrem Angebot entfernt. Das Resultat: Bestellungen von Amazon-Kunden für Bücher kleiner Verlage werden erfasst, jedoch nicht bearbeitet.

Kleine Verlage stehen aktuell vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Sie befinden sich in einer Position ohne Verhandlungsmacht gegenüber Branchenriesen wie Amazon. Die Rücksendequoten von Amazon erreichen neue Höchststände, was zu signifikanten finanziellen Belastungen führt. Hinzu kommen die steigenden Kosten für Energie und Papier sowie ein Umsatzrückgang im Buchhandel post-pandemisch.

Weder das VLB noch Amazon konnten eine adäquate Lösung für das Buy-Box-Problem präsentieren. Die einzige Option: Das kostspielige Führen eines Professional-Kontos bei Amazon. Der Martin Schülbe Verlag hat sich dazu entschlossen, diesem Szenario ein Ende zu bereiten. Mit der mutigen Entscheidung, Amazon den Verkauf und die Listung seiner Produkte zu untersagen, setzt der Verlag ein klares Statement für die Autonomie kleiner Verlage.

Zurück zum Blog